Werbung

--------------------------------

Erich Klahn – Ein völkischer Maler in seiner Zeit


erich

(Von Horst Schinzel) - Über diese Ausstellung im Lübecker Museum Behnhaus / Drägerhaus hat es bereits im Vorfeld Auseinadersetzungen gegeben. Denn der Maler Erich Klahn (1901 – 1978) verstört mit seiner Biografie. Er stand – schon seine lebenslange Auseinandersetzung mit dem flämischen Schriftsteller Charles de Koster und dessen „Ulenspegel“ lässt es ahnen – völkischen Ideen nahe. Und in jungen Jahren hat er sich sogar zur gerade gegründeten NSDAP bekannt. Nachdem diese nach dem „Marsch auf die Feldherrnhalle“ 1923 verboten worden war, hat sich Klahn nicht mehr parteipolitisch engagiert. Dennoch wirft seine Biografie viele Fragen auf, die derzeit von einem Fachhistoriker untersucht werden. Im März wollen die Lübecker Museen überdies eine Podiumsdiskussion veranstalten. Den Künstler Klahn nennen die Lübecker Museen einen „Unzeitgemäßen“. Der überdies gründlich vergessen ist.


Erich Klahn, 1901 in Oldenburg geboren, 1978 in Celle gestorben, verbrachte wesentliche Lebensabschnitte in Lübeck und Celle. Bereits 1902 zog die Familie nach Lübeck. Hier ging Klahn nicht nur zur Schule, sondern besuchte auch die Malschule von Leo von Lütgendorff. Außerdem erlernte er bei Carl Berkentien die Kunst der Glasmalerei. Studien an der Kunstakademie München rundeten die Ausbildung ab. Klahn war zeitlebens freischaffend tätig. Lediglich in der Werkstatt von Carl Berkentien und als Bühnenmaler am Lübecker Stadttheater hatte er für kurze Zeit ein geringes Auskommen. In Celle entwarf er 45 Bildteppiche, von denen viele in öffentlichen Gebäuden hängen.


"Erich Klahn wollte sich nie als Künstler bezeichnen; der Begriff war ihm zu groß, und den üblichen Kunstbetrieb lehnte er sowieso ab“, erläutert Dr. Alexander Bastek, der Leiter des Museums Behnhaus/Drägerhaus. "Er hat sich als Maler gesehen“, ergänzt Tochter Liese Klahn-Albrecht. "Einladungen zu Ausstellungen hat er meistens abgelehnt. Er wollte nicht ins Abstrakte hinein malen, sondern brauchte Auftraggeber. Das waren häufig Kirchen und Kommunen." So hat er ein Glasfenster für die Luther-Kirche geschaffen.


Die Eule im Vorwort zum Ulenspiegel.
Die Lübecker Ausstellung befasst sich mit d e m Hauptwerk des Malers. Grundlage für die ausschweifende Phantasie war der Schelmenroman "Ulenspiegel" des Belgiers Charles de Coster (1827-1879) aus dem Jahre 1867. Der Autor hatte den klassischen Eulenspiegel-Stoff ins 16. Jahrhundert und nach Flandern versetzt. Im 16. Jahrhundert kämpften 80 Jahre die "spanischen Niederlande" um ihre Freiheit. Über einen Zeitraum von 14 Jahren hat sich Klahn mit dem Stoff befasst und Zeichnungen angefertigt. Nicht nur die farbigen Aquarelle sind erhalten, sondern auch viele Vorstudien. Klahn erfand dazu Bildgeschichten, die er ausschmückte und mit eigenen politischen Überzeugungen zu verquickte.


So entstand ein gewaltiges Werk von 1.312 Aquarellen. Sie alle zu zeigen, wäre raumsprengend und würde jeden Betrachter überfordern. So wurden 300 Arbeiten ausgewählt. Sie bedecken die Wände mehrerer Räume im Obergeschoss des Behnhauses. In die Welt der Aquarelle kann man sich schnell "einlesen" und einfühlen. Texte helfen zum Verständnis, zum Beispiel der Attacken auf die Inquisition der katholischen Kirche oder auf die Geschäftemacherei jüdischer Händler. Manches Motiv wird durch ein Einzelwerk abgebildet. Zu anderen Aspekten "seines" Buches braucht Klahn Dutzende von Bildern.


Dass der Künstler Lübeck immer als einen seiner Lebensschwerpunkte betrachtete, zeigen ergänzend ausgestellte Architekturarbeiten zur Marienkirche. Insgesamt handelt es sich um eine weitere Ausstellung zum Thema "Literatur und Bildende Kunst", unterstreicht Alexander Bastek, den der Wechsel zwischen ausgelassenem Schalk und bitterem Ernst fasziniert. Die Aquarelle haben ein einheitliches Format, sind 17 mal 11 cm groß hochkant. Im Katalog heißt es: "Im Ulenspiegel findet der aus seiner Zeit gefallene Künstler Klahn sein alter Ego: Es ist der Narr. Klahn wird zu Ulenspiegel. Er gibt sich dumm und ist klug. Die Welt ist feindlich, gefährlich und grausam. Was ihm wichtig ist, ist Freundschaft, verkörpert in Ulenspiegels Freund Lamme, und Liebe, für die Nele steht."


Die Ausstellung wird in Lübeck bis zum 19. April gezeigt. Danach geht sie nach Bad Arolsen und Celle. Es erscheinen ein Katalog und ein Buch mit allen Aquarellen.



Erich Klahn Bewertung dieser Seite: 2.7175 von 5 Punkten 0 (400 Bewertungen)
Finden Sie diese Seite hilfreich? Geben auch Sie mit einem Klick auf die Sterne Ihre Bewertung ab.
(1 Stern: Wenig hilfreich, 5 Sterne: Sehr hilfreich)



Wir freuen uns, dass Du uns gelesen hast. Alles ist kostenlos. Gerade deshalb freuen wir uns über jede kleine Unterstützung! Vielen Dank! UNSER PAYPAL Konto:



Weitere Infos

Wir bei....