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Rückblick über 60 Jahre: Günter Grass erstattet Werkstattbericht


Günter Grass

(Von Horst Schinzel) - Es ist ein im Wortsinne gewichtiges Buch geworden. Und wer sich mit dem Leben und Werk des im lauenburgischen Behlendorf lebenden Nobelpreisträgers Günter Grass (88) eingehend beschäftigen will, muss viel Zeit mit bringen. Fortsetzend auf drei früher erschienen autobiografischen Darstellungen aus den Jahren 1991, 2001 und 2004 ist jetzt im Göttinger Steidl-Verlag ein umfassender Bericht zurück in die ersten Anfänge bildhauerischer und dichterischer Arbeit Ende der Fünfziger und Anfang der Sechziger Jahre herausgekommen – viele Seiten voller Entwürfe, Manuskripte, Zeichnungen und Abbildungen.

Günter Grass war in allen Aspekten seines Multitalents bis in die jüngste Zeit überaus fleißig. Und er hatte das Glück, mit seinem literarischen Schaffen früh erfolgreich zu sein. Ein Erfolg, der ihm nicht nur Anerkennung, sondern auch beachtlichen Wohlstand eingebracht hat. Werkstatt – das sind für ihn Arbeitsräume in Behlendorf, auf der dänischen Insel Mön und in Portugal. Hier sind nicht nur seine auflagenstarken Romane und Novellen, sondern auch das reiche bildkünstlerische Werk entstanden. Darüber kann man in diesem Buch ausführlich nachlesen.

Auch über sein – heute nicht mehr so ungewöhnliches – freizügiges Familienleben gibt der wortmächtige Autor ausführlich und freimütig Auskunft. Das hat ihm mit mehreren Frauen soviel Anhang eingebracht, dass auf einem Foto zum 60. Geburtstag schon zwölf Köpfe gezählt werden können. Auch aus seinen politischen Ansichten macht der eingefleischte Pazifist kein Hehl. Vor über vierzig Jahren hat er für die ES-PE-DE getrommelt. Und die deutsche Einheit ist für ihn – und sicher manchen anderen Zeitgenossen – der Anschluss der DDR an die BRD. Für die literarische Welt unserer Zeit hatte – und hat – Günter Grass große Bedeutung.

Er ist mit allen bedeutenden Schriftstellern in aller Welt bekannt – mit vielen befreundet. Autoren wie Siegfried Lenz und Peter Rühmkorf und sein langjähriger Lektor Helmut Frielinghaus sind ihm im Tod voraus gegangen. Und auch Günter Grass bekennt freimütig, dass ihn das hohe Alter inzwischen sehr einschränkt. Schön, dass er zu dieser Kompilation – für die G. Fritz Margull und Hilke Ohsoling als Herausgeber zeichnen - die Kraft gefunden hat. Günter Grass, Sechs Jahrzehnte- Ein Werkstattbericht, Göttingen 2014, Steidl-Verlag

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