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„Fidelio“ in Lübeck: Viel Glanz zur Eröffnung der Spielzeit

Autor: Horst Schinzel am 07.09.2015

Fidelo

(Von Horst Schinzel) - Vor dem Hause wurden Unterschriften für den ungekürzten Erhalt des Angebots des Lübecker Stadttheaters gesammelt. Und drinnen erlebten die Lübecker Theaterfreunde zur Eröffnung der Spielzeit an diesem Sonntag eine glanzvolle – wenn auch nicht widerspruchslos aufgenommene - Inszenierung von Beethovens Freiheitsoper „Fidelio“. Die mit der Umsetzung betraute – an der Trave schon bekannte – freischaffende Regisseurin Waltraud Lehner aus Frankfurt hat der Versuchung nicht widerstehen können, das zweihundert Jahre alte Werk gegen den Strich zu bürsten. Generell spielt die Oper bei ihr im Hier und Jetzt. Wozu das etwas beängstigende Bühnenbild von Ulrich Frommhold beiträgt.

Foto: Jochen Quast

In der Eröffnungsszene bügelt Andrea Stadel als Marzelline nicht etwa die Wäsche, sondern zieht genüsslich an ihrer Zigarette. Dies auch in späteren Szenen. Ihr Verehrer Jaquino (Daniel Jenz) kommt als Hippie daher, der seine Gitarre malträtiert. Wenn die Gefangenen nach ihrem Hofgang in ihre Zellen zurückgeführt werden, werden sie mit Eis am Stil delektiert. Zwar singt Jean-Noel Briend als Florestan dem Textbuch gemäß „Gott, welch Dunkel hier“, aber in seinem Verließ ist es erstaunlich hell. Und in der Schlussszene tritt der von Joseph Feigl brillant einstudierte Chor als eben befreite Gefangene im dunklen Anzug und Abendkleidern auf. Wen wird es da wundern, dass sich in den Schlussbeifall vereinzelte Buh-Rufe mischen.

Das große Erlebnis dieses Abends ist, als Gast in der Rolle der Leonore die von Madagaskar stammende Yannick-Muriel Noah zu sehen und zu hören. Ihr Umgang mit der fremden Sprache ist beachtlich. Sie weiß zu spielen und zu singen. Sie führt ihre große Stimme bis in die Höhen scheinbar mühelos. Neben ihr glänzt Jean-Noel Briend als Florestan eindrucksvoll. In der sehr statuarischen Inszenierung haben es Taras Konoshchenko als Kerkermeister Rocco, Joachim Goltz als Gouverneur Don Pizarro und Steffen Kubach als Minister Don Fernando doch recht schwer. Dennoch bleibt der Abend nicht zuletzt durch das von Generalmusikdirektor Ryusuke Numajiri sicher geführte Orchester eine abgerundete Leistung, und das Premieren-Publikum geizt nicht mit Beifall.

Weitere Aufführungen

6. und 20. September, 18 Uhr


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