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Lübeck: „Hoffmanns Erzählungen“ als Ego-Trip zur Liebe

Autor: Horst Schinzel am 15.11.2015

Hoffmann

(Von Horst Schinzel) - Der freischaffende Regisseur Florian Lutz hatte sich in der vorigen Spielzeit in Lübeck mit einer hoch umstrittenen und viel diskutierten „Tannhäuser“-Inszenierung vorgestellt. So sind denn Lübecks Theaterfreunde an diesem Freitag mit vielen Erwartungen, wohl auch Befürchtungen, in das Haus an der Beckergrube gekommen. Und sie sind positiv überrascht worden. Lutz bot drei Stunden lang eine weitgehend werkgetreue und überaus phantasievolle Produktion von Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ – eine Produktion überdies, die die neuesten Erkenntnisse über die Intentionen des Komponisten, dem der Tod die Feder aus der Hand genommen hatte, berücksichtigt.

Foto Oliver Fantitsch

Bei Lutz ist Hoffmann – der von dem in Lübeck bereits bekannten Franzosen Jean-Noel Briend gesungen wird – ein dem Untergang geweihter Alkoholiker. Der die Liebe einer idealen Frau sucht und doch nur sich selbst liebt. Konsequent werden die Rollen der vier vermeintlichen Geliebten Stella, Olympia, Antonia und Guilietta von nur e i n e r Sängerin Fabienne Conrad – auch sie Französin – dargestellt. Sie verfügt über eine große einschmeichelnde Stimme. Bei den vertrackten Koloraturen der Olympia sind freilich Schärfen nicht zu überhören. Aber im Laufe des Abends fängt sich die Sängerin und bietet sängerisch wie darstellerisch Großartiges.

Kaum etwas Anderes – wenn auch mit gewissen dispositionsbedingten Abstrichen - ist über den Hoffmann des Jean-Noel Briend zu sagen. In dem von dem Leiter der Bühnenmusik Willy Daum arrangierten „Chant bachique“ zur Begleitung von Rock-Musikern gewinnt er geradezu dämonische Form, Eingefleischte Opernpuristen goutieren diese Abweichung vom Original allerdings durchaus nicht und buhen kräftig. Dem Hoffmann steht als kommentierende Muse Wioletta Hebrowska in der Maske der Staatsministerin für Kultur in gewohnter Qualität zur Seite. Beachtlich auch, dass endlich einmal auf einer Opernbühne gutes Französisch zu hören ist.

In dem fantasievollen Bühnenbild von Martin Kukulies- das alle technischen Möglichkeiten des Hauses nutzt – und in den bunten Kostümen von Mechthild Feuerstein müssen fast alle Mitglieder des Ensembles mehrere Rollen übernehmen – so Gerard Quinn die der vier Bösewichter. Viele Aufgaben kommen dem von Joseph Feigl und Jan-Michael Krüger einstudierten Chor zu. Den Olympia-Akt hat Regisseur Lutz in ein Fitness-Studio verlegt, wo Daisy Reinhard als Model und Oliver Reinhard als Bodybilder gefallen. Eindrucksvoll auch die Lichtgestaltung durch Falk Hampel. Generalmusikdirektor Ryusuke Numajiri nimmt unter dem Zwang, die Länge der Vorstellung auf rund drei Stunden zu beschränken, die Tempi ans vielen Stellen arg schnell. Das führt im Philharmonischen Orchester zu Unsauberkeiten.

Das Premierenpublikum ist sehr angetan, geizt nicht mit Szenenbeifall und feiert zum Schluss alle Beteiligten. Einzelne Buh-Rufe wird der Regisseur verschmerzt haben.

Weitere Aufführungen
22, November, 16 Uhr, 11. Dezember, 19.30 Uhr


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