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Emanuel Geibel wird in Lübeck nicht vergessen

Autor: Horst Schinzel am 20.11.2015

Gaibel

(Von Horst Schinzel) - Unlängst hat der Kulturredakteur der „Lübecker Nachrichten“ dazu aufgerufen, den zu seinen Zeiten so überaus populären Dichter Emanuel Geibel zu vergessen. Er passe nicht mehr in unsere Zeit. Und nun zeit ausgerechnet das Buddenbrook-Haus bis Ende Januar 2016 eine Sonderausstellung „Emanuel Geibel. Aufstieg und Fall eines Umstrittenen

Foto Das Geibeldenkmal neben dem Heiliggeist-Spital 7 Foto: Retelsdorf_Ekkehard

Der Lübecker Emanuel Geibel (1815 bis 1884) war einer der am meisten bewunderten und zudem auflagenstärksten deutschen Dichter der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das Werk und die Person Geibels zeichnen sich durch scheinbar gegensätzliche Bestrebungen aus. Über seinen Tod im Jahr 1884 hinaus war Geibel ein Umstrittener, der nicht nur verehrt und gefeiert, sondern auch angefeindet und literarisch abgewertet wurde. Die Sonderausstellung Emanuel Geibel. Aufstieg und Fall eines Umstrittenen, die vom 22. November bis zum 31. Januar nächsten Jahres im Buddenbrookhaus in Lübeck zu sehen ist, porträtiert den Lübecker Dichter mit den anhaltenden Kontroversen um seine Person.

"Die Beschäftigung mit Emanuel Geibel und seinem Werk lohnt sich sehr", erklärte Prof. Dr.Hans Wißkirchen, Leitender der Lübecker Museen, bei der Pressepräsentation. . "Sein Blick auf das 19. Jahrhundert, speziell die Zeit zwischen 1840 und 1871, ist von großer Bedeutung. Geibel hat festgehalten, was eine bestimmte Schicht von Bürgern in dieser Zeit dachte und fühlte. Er hat der Epoche eine Stimme gegeben."

Emanuel Geibels Geburtstag jährt sich zum 200. Mal. Ob der Jubiläumstag nun am 17. oder 18. Oktober gefeiert werden sollte, ist fraglich oder zumindest Interpretationssache. Geibel wurde wohl am 17. Oktober 1815 als siebtes Kind des Lübecker reformierten Pfarrers Johannes Geibel geboren. Doch sein Vater erklärte, die Glocken zur Mitternacht hätten bei seiner Segnung schon geläutet. Der 18. Oktober – zweiter Jahrestag der Wende in der Völkerschlacht bei Leipzig – schien ihm das bedeutendere Geburtsdatum für seinen Sohn Franz Emanuel August.

Selbstinszenierungsstrategien und politisch wirksames Auftreten scheinen dem Kind damit in die Wiege gelegt. Zwanzig Jahre später erhielt er Eintritt in die Berliner Salons und wurde Lehrer im Haus des russischen Gesandten Fürst Katakazis in Athen. Sein literarischer Erfolg begann in den 1840er Jahren, zunächst bescheiden, dann allerdings gelang ihm ein rasanter Aufstieg zu einem der meist gelesenen Lyriker seiner Zeit. Seine Gedichtbände verkauften sich in hohen Auflagenzahlen, seine Lieder wurden tausendfach vertont, einige werden bis heute gesungen. Der Vergleich mit Goethe lag für viele Zeitgenossen auf der Hand. Dennoch kennen heute nur noch wenige sein lyrisches Werk jenseits des berühmten „Wanderlieds“, bekannter unter seinem ersten Vers „Der Mai ist gekommen“. Als Dramatiker und Übersetzer ist Geibel vergessen.

Die Sonderausstellung Emanuel Geibel. Aufstieg und Fall eines Umstrittenen soll beides zeigen: Geibels rasanten Aufstieg zum Dichterfürsten und seinen ebenso rasanten Fall in die Vergessenheit. Die Ausstellung geht den Spuren seines Erfolgs in den Lebenszeugnissen nach und schaut mit Verehrern und Kritikern auf Person und Werk. Der Kurator Christian Volkmann arbeitet derzeit am Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck (ZKFL) an seiner Dissertation zu Emanuel Geibel. Er widmet sich dabei insbesondere dem Aufstieg Geibels, seinen Selbstvermarktungsstrategien, seinen Mäzenen, seinem Einfluss auf die Geschmacksbildung der Zeit. Dies ist ein spannendes Forschungsgebiet, denn an Geibel zeigen sich über seine Person hinaus Tendenzen des literarischen Feldes im 19. Jahrhundert: der veränderte Literaturbetrieb, die Popularisierung des Buchmediums, der Umgang mit dem Erbe der Klassik und der Romantik. Neueste Forschung auf diesem Gebiet fließt in die Ausstellung ein und kann zum Verständnis der Person und des Werks Geibels ebenso beitragen wie zu einem neuen Blick auf diese Epoche.

Eröffnung
Die Ausstellung wird am Samstag, 21. November um 18Uhr im Buddenbrookhaus eröffnet.
Begrüßung: Prof. Dr. Hans Wißkirchen, Leitender Direktor der Lübecker Museen
Einführung: Birte Lipinski, Leiterin des Buddenbrookhauses
Vortrag: Christian Volkmann, Kurator und Vanessa Zeissig, Projektkoordinatorin
Musikalische Begleitung durch den Mädchenchor „Canta“, St. Marien zu Lübeck
Eintritt: 6 Euro | ermäßigt 3 Euro

Führungen
An drei Sonntagen werden Führungen durch die Ausstellung angeboten, und zwar am 29.11. 13.12. und 17.1., jeweils um 15 Uhr.
Teilnahme: 10 Euro | ermäßigt 7 Euro | Schüler 6,50Euro

Finissage
Am Sonntag, 31. Januar, findet die Finissage der Ausstellung statt.
Um 16 Uhr führt Kurator Christian Volkmann noch einmal durch die Schau.
Um 18 Uhr erklingen im Scharbausaal der Stadtbibliothek Geibelvertonungen mit Ulf Bästlein (BassBariton) und Sascha ElMouissi (Klavier).

Eintritt: 8 Euro

Buddenbrookhaus / Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum
Mengstraße 4
23552 Lübeck

Öffnungszeiten:
November/Dezember: Montag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr
Januar: Dienstag bis Freitag, 11 bis 17 Uhr


Schlagworte:
buddenbrook haus

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