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Das Ende und das Ausschlachten der Flender Werft

Autor: CIS am 22.10.2014

(gehört zu unseren älteren Beiträgen, die immer wieder gern gelsen werden)
Am Sonntag, 28. Oktober 2007 eröffnete um 11:30 Uhr, die Sonderausstellung, „Der lange Abschied – Das Ende und das Ausschlachten der Flender Werft“ im Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk. Der Kunsterzieher und Künstler Rainer Wiedemann dokumentiert seit vielen Jahren fotografisch die industriellen Veränderungen in Herrenwyk, besonders den Abbau der Industrie auf dem Gebiet der Metallhütte und später auch der Flender Werft.

Auf seinem täglichen Weg zu seinem Arbeitsplatz am Trave-Gymnasium in Kücknitz fesselte ihn zunächst die Optik der noch funktionierenden Industrieanlagen entlang der Trave: die vielen Türme der Hochöfen und der Kokerei, Schiffsmasten, Krane und riesige Hallen auf dem Werftgelände. Besonders faszinierten ihn Fahrten im Frühnebel über die Herrenbrücke, wenn diese Silhouetten nur schemenhaft in der durchbrechenden Sonne zu sehen waren.

Nach dem Aus für die Kokerei im Jahre 1990 und für Flender im Jahre 2002 waren es zunächst wieder visuelle Reize, die ihn veranlassten, auf beiden Industriegeländen fotografisch aktiv zu werden. Durch die Presse, aber auch hautnah durch Schüler und Eltern seiner Schule erhielt er immer mehr Einblicke über die Bedeutung und den wirtschaftlichen Verlust dieses Industrieabbaus für den Ortsteil Kücknitz und die Stadt Lübeck insgesamt.

Ab 2002 erhielt er die Erlaubnis, sich frei auf dem Flendergelände zu bewegen, um möglichst viel vom sterbenden Werftleben fotografisch festzuhalten. Von den vielen hundert Aufnahmen wird nun eine Auswahl von 80 Vergrößerungen erstmals im Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk ausgestellt. Seine Farbbilder und Schwarz-Weiß–Aufnahmen dokumentieren das langsame Verschwinden der Werft, vom beginnenden Abbau der großen Drehbänke in der Maschinenhalle über den Abbruch der meisten Hallen bis hin zum Abtransport des großen Reparaturdocks und der letzten Krane. Sie erzielen dabei eine Sprache der Ästhetisierung und der Nostalgie, ohne auf die Menschen, die hier einmal gearbeitet haben, zu verweisen. Auch der Geruch des Todes, des Abrisses, des Zerstörens von Arbeitsplätzen, auf denen zuletzt Hunderte und insgesamt Tausende von Arbeitern tätig waren, fehlen ihnen. Deshalb entschloss er sich, neben seine Aufnahmen vom Abbau der Industrie unbedingt auch Menschen zu porträtieren, die seine Arbeiten erläutern und in der Aussage ergänzen konnten.


Über verschiedene Kontakte lernte er viele ehemalige Mitarbeiter der Werft kennen, die er über ihre Arbeitserfahrungen interviewte. 30 dieser Interviews ergänzen nun seine Fotos. Darin berichten ehemalige Flenderaner subjektiv über ihre Arbeit auf der Werft, über besondere Erlebnisse und über ihre Gedanken zum Aus von Flender. Neben den Interviews stehen Porträtaufnahmen der Gesprächspartner mit einem Flenderhelm oder einem anderen Utensil, das auf die Werft hinweist, um das von Wiedemann in den Gesprächen erfahrene Zusammengehörigkeitsgefühl zu dokumentieren, das die Insolvenz überdauert hat.

Die Ausstellung wird am Sonntag, den 28. Oktober um 11.30 Uhr eröffnet. Es sprechen Dr. Ingaburgh Klatt, Leiterin des Kulturforums Burgkloster, und Rainer Wiedemann. Musikalisch wird die Eröffnung von der „Samba-Gruppe“ umrahmt.

Rainer Wiedemann bietet am Donnerstag, den 08. November um 19 Uhr, sowie an den Sonntagen 09. Dezember 2007, 13. Januar 2008 und 10. Februar 2008 öffentliche Führungen durch seine Ausstellung an. Am Dienstag, den 22. Januar 2008 stellen um 19.30 Uhr ehemalige Flenderaner ihre Arbeit in Viedeoaufnahmen vor.

Das Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk ist freitags von 14 bis 17 Uhr und samstags und sonntags von 10 – 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 2,50 €, ermäßigt 1,50 €. Gruppen und Schulklassen können jederzeit eine Führung vereinbaren (Telefon: 0451/301152).

Industriemuseum
Geschichtswerkstatt Herrenwyk
Kokerstraße 1–3
23569 Lübeck

 


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