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Slawische Siedlungsplätze zwischen Neustadt und Alt-Lübeck

Autor: Horst Schinzel am 01.01.2016

Burgen

(Von Horst Schinzel) - Kersten Jungk, Jahrgang 1941, ist ein profunder Kenner der Geschichte des Raumes der Pönitzer Seenplatte . Der promovierte Mediziner, der seit 1976 in Scharbeutz lebt und arbeitet, gründete 1986 den Heimatverein Scharbeutz, dessen 1. Vorsitzender er seither ist. 1989 gründete er die Museumswerkstatt Pönitz und begann mit dem Aufbau des historischen Gemeindearchivs. Er war federführend am Bau des Museums Pönitz beteiligt, das 2002 eröffnet wurde.

Durch Veröffentlichungen und Vorträge zur Lokalgeschichte und seinen Hobbies Unterwasserarchäologie und Ägyptologie ist Dr. Jungk seinen Mitbürgern bestens bekannt. Das Museum nennt sich zwischenzeitlich Museum für Regionalgeschichte, und auch der Trägerverein titelt entsprechend. Mit einer von ihm gegründeten Tauchergruppe hat er über viele Jahre hinweg die slawischen Siedlungsplätze zwischen Neustadt und der Travemündung erkundet. Darüber berichtet er jetzt in einem von ihm herausgegebenen Buch mit dem allerdings etwas etwas reißerischen Titel „Versunkene Burgen“.

Über vierhundert Jahre hinweg vom 8. bis 12. Jahrhundert siedelten in Ostholstein slawische Stämme. Die waren zu Beginn des 8. Jahrhundert aus Mecklenburg in das durch die Völkerwanderung weitgehend menschenleer gewordene Land eingesickert. Die germanisch-sächsische Urbevölkerung war nach England gezogen. Von den verbliebenen Resten erfuhren die Polaben – wie haben die sich verständigt? - , dass die Region Wagrien heiße. Die nicht sehr zahlreichen Slawen wohnten vor allem an den Seen, bis nach 1140 gemanischstämmige Menschen den „Limes Saxoniae“ – die sächsische Grenze – überschritten und in den folgenden Jahrzehnten den ganzen Ostseeraum bis nach dem estnischen Narwa besiedelten.

Das muss man sich entgegen älteren Vorstellungen durchweg als friedlich denken. Slawen und Deutsche wohnten neben einander. Die Slawen gingen allmählich im deutschen Volkskörper auf – ohne, dass die deutschen Verwaltungen ihre slawischen Mitbürger irgendwelche Verpflichtungen unterschreiben ließen. Um so weniger, als beide durchweg gar nicht schreiben konnten.

Zwischen dem Neustädter Binnenwasser und der Travemündung hat es überall kleine slawische Siedlungen gegeben, von denen neben den Ortsnamen Reste in den Seen künden. Diese Reste hat Dr. Jungk zusammen mit seinen Tauchern erkundet und viel Neues herausgefunden. Davon und diesen Funden kündet dieses – leider nicht sehr handliche und auch typografisch nicht immer sehr glücklich gestaltete, aber mit Fotos und Karten reich ausgestattete Buch. Allerdings setzt der Verfasser ein beträchtliches Vorwissen voraus – das heute wohl kaum selbstverständlich ist. Zur Geschichte Ostholseins ist es ein beachtenswerter Beitrag.

Kersten Jungk, Versunkene Burgen – Frühmittelalterliche Unterwasserfunde im südlichen Ostholstein, Scharbeutz 2015, Selbstverlag des Verfassers
Beziehbar über das Museum


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