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Zwei begeisternde Premieren im Lübecker Theater

Autor: Horst Schinzel am 22.05.2016

Hanse Kultur

In Lübeck tobte am Wochenende der Bär. Zwischen dem Burgtor, dem Hafen und der Beckergrube wurde das Hanse Kultur Festival gefeiert. Das konnte zwar seine Herkunft von dem vor Jahren eingeschlagenen Altstadt-Fest nicht ganz verleugnen – es fehlten nur die Trödelstände – aber es lockte die Massen. Vor allem zu Musik und allerlei Kleinkunst.

Foto Olaf Malzahn

Mitten darin das traditionsreiche Theater in der Beckergrube, das am Freitag und Sonnabend zu Premieren lud, die das jeweilige Publikum zu Begeisterungsstürmen hinrissen. Einmal mehr zeigte das Haus weit über das Niveau eines gewöhnlichen Stadttheaters hinaus ragende Leistungen.

Eingeleitet wurde die Premierenfolge als – leider vorerst letzte- Zusammenarbeit mit der Musikhochschule mit der kaum bekannten Operette von Arthur Honegger (1896 – 1955) „Die Abenteuer des Königs Pausole“. Der Schweizer Komponist ist dem Musikfreund vor allem durch das Oratorium „Johanna auf dem Scheiterhaufen“ bekannt. Seine drei Operetten sind längst vergessen. Das gilt auch für das 1930 uraufgeführte Werk, das jetzt in Lübeck über die Rampe der Kammerspiele gegangen ist. Eine wirre Geschichte von einem König (Stefan Kubach in einer köstlichen Charakterstudie), der 365 Frauen beschlafen muss und sich damit völlig überfordert fühlt. Und seine einzige Tochter Alina (Dorothee Bienert) verliebt sich ausgerechnet mit der als Mann auftretenden Tänzerin Mirabella (Milena Juhl) und brennt mit der durch.

Auf Empfehlung seines Ministers Taxis (Grzegorz Sobzak) reist der König ihr nach. Er trifft auf das bunte Personal seines Hofstaates und stellt fest: Die Zeit ist über ihn hinweggegangen. Er dankt ab. Der Page Giglio (Guillermo Valdés) soll Ordnung in den Laden bringen. Regisseur Michael Wallner führt die jungen Sängerinnen des Opern-Elitestudios und der Musikhochschule Franziska Buchner, Camilla Ostermann, Franziska Blass, Sandra Gerlach, Lena Langenbacher und Lisa Zihm in ihren schrillen und durch teils gewagte Kostüme betonten Rollen zu großartigen Leistungen. Die jungen Frauen können singen und spielen. Und dies in der minimalistischen Ausstattung von Tanja Liebermann. Das Projektorchester aus Musikern des Hauses und Studierenden der Musikhochschule bringt Honeggers Stilmix aus der Musik seiner Zeit klangvoll aus dem Graben.

Das Premierenpublikum war begeistert.

Weitere Aufführungen
23. Mai, 20 Uhr

Einen ganz anderen Charakter hatte dann die zweite Premiere am Sonnabend mit Verdis selten gespielter Oper „Attila“. Die Lübecker Einstudierung durch Peter Konwitschny ist eine Übernahme seiner Arbeit aus dem Jahre 2013 am Theater an der Wien. Dort hatte seine Inszenierung einen soliden Skandal ausgelöst. Nicht so in Lübeck. Seine Auffassung von dem frühmittelalterlichen Geschehen um den vor Rom aufgetauchten Hunnen-König Attila stößt hier auf einhellige Begeisterung. Vielleicht vor allem, weil der Regisseur deutlich macht, dass es mit Friedensliebe nicht weit her ist: Alle prügeln auf einander ein. Und sei es mit Kochlöffeln und Schöpfkellen. Und selbst im Altersheim der letzten Szene sind die Protagonisten nicht zur Besinnung gekommen. Attila stirbt schließlich an Altersschwäche.

Diese Ideen setzen in dem kargen Bühnenbild von Johannes Leiacker und der raffinierten Lichtgestaltung von Manfred Voss herausragende Sänger um. Die Rollen des Hunnenkönigs Attila, des römischen Feldherrn Ezio, der Odabella, deren Verlobter Foresto, Attilas Adjutanten Uldino und des Papstes Leone sind mit Ernesto Morillo, Gerard Quinn, Helena Dix, Alexander James Edwards, Hyungseok Lee und Seokhoon Moon großartig besetzt. Verdi hat seinen Sängern schwere Arien in die Kehlen geschrieben. Die kommen klangvoll über die Rampe. Großartig auch die von Jan-Michael Krüger einstudierten Chöre.

Etwas ungewöhnlich freilich der Bischof von Rom mit Zigarette und großkalibrigem Revolver. Ungereimt, dass Ezio vor offenem Vorhang stirbt und anschließend bei Attilas Gastmahl wieder auftritt. Wenn Odabella im Rollstuhl mit einer weißen Gitarre vom Frieden singt, sind Assoziationen gewollt. Generalmusikdirektor Ryusuke Numajiri führt das glänzend aufgelegte Philharmonische Orchester zu Verdi-gemäßer Größe. Viel Szenenbeifall, zum Teil unangebrachtes Gelächter und tosender Schlussbeifall.

Weitere Aufführungen

26. Mai, 18 Uhr, 18. Juni, 19.30 Uhr.


Schlagworte:
Hanse Kultur Festival

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