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Lübeck zeigt Hilfsgötter aus Ghana im St. Annen Museum Lübeck

Autor: CIS am 05.06.2016

Musuem

Der Maler Horst Antes ist ein leidenschaftlicher Sammler. Nach der berühmten Katsinam-Sammlung, die im Jahr 2000 in der Völkerkundesammlung in Lübeck gezeigt wurde, wird jetzt erstmalig seine weltweit umfangreichste Aklama-Sammlung der Öffentlichkeit vorgestellt. Es handelt sich dabei um handgroße, holzgeschnitzte Figuren und Tiere, die den im südöstlichen Ghana lebenden Ethnien Ewe und Dangme als Hilfsgeister dienen. Diese Figuren sind bislang in der Wissenschaft weitgehend unbekannt und unbearbeitet geblieben. Sie sind nun erstmals und noch dazu in großer Zahl im Lübecker St. Annen Museum zu sehen.

Fotos Lübecker Museen / SlgAntes_fotorémibazan

„Diese Ausstellung ist eine Hommage von Horst Antes an seine Kollegen in Ghana. Es gibt Faszinierendes zu entdecken. Die Spiellust der Kunst ist unerschöpflich und äußerst beeindruckend,“ so Dr. Brigitte Templin, Leiterin der Völkerkundesammlung.

In den vergangenen 50 Jahren hat Horst Antes die Sammlung von Aklama zusammengetragen. Die Skulpturen repräsentieren Gottheiten und Geister. Neben dem Schöpfergott Mawu, der weder angerufen noch kultisch verehrt wird, gibt es im religiösenLeben der Ewe und Dangme eine große Schar von Gottheiten mittleren Ranges (Vodu), die großen Einfluss auf das tägliche Leben der Menschen haben. Sie gelten als launisch und müssen ständig günstig gestimmt werden. Sie beschäftigen ein Heer von Hilfsgöttern und - geistern, die den Kontakt mit den Gottheiten erleichtern. Diese lassen sich auch als Boten gewinnen, um für ihre menschlichen Anbeter Dienste zu verrichten. Dargestellt werden dieHilfsgötter oder -geister, genannt Aklama kpakpewo, „geschnitzte Gottheiten“, zumeist in menschlicher Form als Mann-Frau-Paare.

Die sakralen Skulpturen zeichnen sich trotz ihrer Einfachheit und Reduktion durch eine beeindruckende formale Vielfalt aus. Köpfe sind rautenförmig, oval, rechteckig oder spitz zulaufend. Augen können eng aneinanderliegend, runde Löcher, Schlitze oder eingekerbte Dreiecke sein. Glieder des Körpers können fehlen oder aber aussehen wie Fischflossen.Einige sind gestreift dargestellt, andere sind zum Teil bekleidet. Die hand- bis fußgroßen Figuren sollen Glück bringen bzw. für all das sorgen, was für ein Erdenleben unerlässlich scheint. Wohlstand, Erfolg im Handel, im Handwerk, bei der Jagd, beim Fischfang, in Liebesbeziehungen, im Kinderkriegen sind die Anliegen, zu deren Erfüllung die Aklama angerufen werden. Sie festigen den Bund zwischen Anbeter und Gottheit. In der Regel werden sie über einen Priester in Auftrag gegeben. Priester besitzen und kontrollieren das Wissen um die richtigen Praktiken. Eine Person unterhält zumeist Beziehungen zu mehreren Aklama. Ihren Platz haben diese kraftgeladenen Gegenstände zumeist auf Hausaltären in Schlafzimmern oder Gebetsräumen. Ihr Besitz ist mit Aufgaben und Tabus verbunden. Die sakralen Skulpturen sind nur so lange existent, so lange ihr Besitzer lebt und sie verehrt.

Aklama-Skulpturen waren in der Vergangenheit relativ häufig anzutreffen. Mit der Ausbreitung der christlichen Lehre im Land trennten sich viele Menschen von den Figuren. Etwa zwei Drittel der Ghanaer sind inzwischen Christen, ein Fünftel der Bevölkerung kann dem Islam und der Rest traditionellen Religionen zugeordnet werden. Allerdings sind die Grenzen zwischen den verschiedenen Religionen nicht genau bestimmbar, da sich viele Elemente unterschiedlichster Herkunft vermischen. Der immer noch bestehende Götter- und Geisterglaube ist ein Weg, das Unerklärliche verständlich zu machen. Er trägt wesentlich zur alltäglichen Daseinsbewältigung bei.

Die Ausstellung und der umfangreiche Katalog eröffnen erstmals den Zugang zu einer gleichermaßen faszinierenden wie bislang von Sammlern, Museen und Ethnologen übersehenen Kultur aus dem Mündungsgebiet des Volta. Sie geben Anstoß, diese bislang noch unbekannte Kultur zu erforschen und zu bewahren und verschaffen ein Seherlebnis der besonderen Art. Die Monographie über die Aklama ist die dritte von Horst Antes gestaltete und von der Studienstiftung Horst Antes herausgegebene Publikation zur außereuropäischen Kultur. Das 504 Seiten umfassende Werk mit 375 Farbtafeln in deutscher und englischer Sprache enthält herausragenden Fotos von Rémi Bazan nutzen.

Es gibt ein umfangreiches Begleitprogramm speziell für Kinder und einen wissenschaftlich bemerkenswerten Katalog


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