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Lübeck - Vorwerker Diakonie diskutiert über Pflege

Autor: CIS am 24.06.2016

Diakonie

Was erwartet mich, wenn ich oder mein Angehöriger pflegebedürftig wird? Um dieses Thema ging es am vergangenen Mittwoch beim traditionellen Jahresempfang der Vorwerker Diakonie auf dem Gelände in der Triftstraße.

Aus gutem Grund: "Diese Frage beschäftigt uns zu einem bestimmten Zeitpunkt alle", sagte Fred Mente, Geschäftsführer der Vorwerker Diakonie, in seiner Ansprache. "Und sie ist mit vielen Sorgen verbunden." Denn, die meisten Menschen haben ein Bild von der Pflege, das wenig mit der Realität zu tun hat. "In Kino, Fernsehen, Presse, Internet und öffentlicher Meinung dominieren Schreckensszenarien", meinte Mente.

Text / Foto Presse Vorwerker Diakonie

Darüber diskutierten Fachleute und betroffene Angehörige rege und anschaulich – auch dank eines emotionalen Films über die Situation in der Altenpflege, der beim Empfang vor Freunden, Unterstützern und Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kirche gezeigt wurde. "Es ist schön, wenn die Arbeit von außen gesehen wird", sagt darin eine Mitarbeiterin des Lotti-Tonello-Hauses, einer Einrichtung der Vorwerker Diakonie. Doch leider ist das nicht immer der Fall, unterstrich auch Doreen Boniakowsky beim Empfang: "Wir fühlen uns nicht immer wertgeschätzt", sagte die Geschäftsbereichsleiterin der Seniorenpflege der Vorwerker Diakonie stellvertretend für die Mitarbeitenden.

Die öffentliche Kritik richtet sich fast immer an die Leistungsanbieter. "In der Regel fragt niemand nach den Vorgaben, unter denen die Einrichtungen arbeiten", so Mente. Doch diese Vorgaben seien in weiten Teilen nicht stimmig und zu sehr auf Einsparpotentiale und Ausgabenbegrenzung fixiert. "Wir erleben Wildwuchs und einen sehr harten Preiswettbewerb." Auch dass Pflegekassen nicht nur die Leistungen finanzieren, sondern gleichzeitig den Rahmen der Pflegeleistung festlegen und die Zupflegenden beraten, findet er schwierig. Denn: "Die Kassen verfolgen das aus ihrer Sicht nachvollziehbare Ziel der Ausgabenminimierung. Die Betroffenen durchschauen nicht immer, was ihnen alles zusteht. Im Ergebnis zeigen Statistiken, dass nur 40 Prozent der Zupflegenden alle ihnen zustehenden Leistungen erhalten."

Die öffentliche Skandalisierung verunsichert Zupflegende und Angehörige, zermürbt Mitarbeitende und stellt eine gesamte Branche ins falsche Licht. Entsprechend begegnen Menschen Pflegeeinrichtungen mit großer Skepsis. "Dann aber erleben sie oft eine große Überraschung", so Mente. "Sie rechnen mit überforderten Mitarbeitenden und dunklen, engen Räumen – sie finden hingegen eine warme, wohnliche Atmosphäre sowie professionelle, zugewandte Mitarbeitende und erfahren neue Lebensqualität." Die Angst vor Pflegeeinrichtungen sei bei Betroffenen oft zu bemerken, doch dann spürten sie schnell: "Hier ist immer jemand da", berichtet eine Pflegerin im Film.

Mente rät, sich rechtzeitig mit dem Thema Pflege auseinanderzusetzen. "Pflege geht uns alle an, weil es letztlich nur eine Frage des Zeitpunktes ist, an dem wir mit dem Thema konfrontiert werden", meinte der Geschäftsführer. "Sei es als Angehöriger, der plötzlich mit der Pflegebedürftigkeit eines nahestehenden Menschen konfrontiert ist oder gar als selbst Betroffener." So beschreibt eine Frau im Film bewegend, wie sie "von heute auf morgen" zum Pflegefall wurde.

Mente empfiehlt in Vorsorgevollmachten wichtige Dinge zu regeln. "Wenn die Situation dann wirklich eintritt, dann wenden Sie sich unbedingt an eine unabhängige Pflegeberatung oder an einen Anbieter ihres Vertrauens. Die helfen ihnen durch den Pflegedschungel."


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