News Blog Lübeck - Nachrichten




Lübeck: Jüdischer Patriotismus im Ersten Weltkrieg

Autor: Horst Schinzel am 09.12.2014

Rathaus

(Von Horst Schinzel) - Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Lübeck ist recht gut erforscht. Die Anfänge lagen auf dem Stadtgut Moisling. Nach der 48er-Revolution erhielten die mosaischen Einwohner der Stadt 1851 die bürgerliche Gleichberechtigung. Ohne allerdings „Bürger“ im Sinne der damaligen Rechtsordnung werden zu können.

Wie fast überall in Deutschland hatte die Zahl der Einwohner jüdischen Glaubens bis zu Begin des 20. Jahrhunderts stark zugenommen. Nach einer im „Generalanzeiger“ 1924 veröffentlichten Aufstellung des „Bundes jüdischer Frontsoldaten“ waren von den rund 600 Juden im Lübecker Staat 106 im Ersten Weltkrieg Soldat geworden.

17 sind an der Front gefallen, zwei anderweitig gestorben, 86 wurden verwundet und 28 erhielten zum Teil hohe Kriegsauszeichnungen.

Vor diesen Hintergrund befasst sich Albrecht Schreiber in einer neuen Veröffentlichung des Archivs der Hansestadt unter dem Titel „Für Kaiser und Vaterland – Das jüdische Lübeck und der Erste Weltkrieg“ mit dem Nationalgefühl der jüdischen Lübecker in dieser Zeit. Dabei fußt der Autor weitgehend auf zeitgenössische Veröffentlichungen. Die lassen keinen Zweifel daran: Die Lübecker Juden dachten nicht anders als ihre christlichen Nachbarn. Sie sahen den Krieg als große Herausforderung an die deutsche Nation. Und eben von den „Feindmächten“ aufgezwungen. Besonnene Stimmen waren – zumal im erzkonservativen Lübeck – rar. Einer der ärgsten Reaktionäre war der Rabbiner Dr. Salomon Carlebach.

Entsprechend hurra-patriotisch waren die Todesanzeigen auf gefallene jüdische Soldaten in den Lübecker Tageszeitungen. Für die Kriegsanleihen spendeten jüdische Unternehmen auch an Trave und Wakenitz hohe Summen. – ganz im Sinne eines Aufrufs des „Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ zu Kriegsbeginn. Was freilich die Juden in Lübeck wie sonst im Reich nach dem Kriege nicht davor bewahrte, zum Ziel übler antijüdischer Hetze zu werden. Eine Hetze, die im Vorwurf der Feigheit vor dem Feinde gipfelte. An diese Aspekte deutscher Geschichte erinnert diese Veröffentlichung.

Albrecht Schreiber, Für Kaiser und Vaterland – Das jüdische Lübeck und er Erste Weltkrieg, Kleine Hefte zur Stadtgeschichte, herausgegeben vom Archiv der Hansestadt Lübeck, Heft 23, Lübeck, 2014



----------------------------------------------




Wir freuen uns, dass Du uns gelesen hast. Alles ist kostenlos. Gerade deshalb freuen wir uns über jede kleine Unterstützung! Vielen Dank! UNSER PAYPAL Konto:



Weitere Infos


Werbung:


Wir bei....








Blog Archiv: