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Görlitzer Kaufhaus Skandal: Stöcker entschuldigt sich für seine Wortwahl

Autor: Horst Schinzel am 22.12.2014

Vor einer Woche habe ich gehört, dass in unserem Görlitzer Kaufhaus einige Familien empfangen werden sollen, die in Deutschland um Asyl gebeten haben. Da die meisten der Gäste aus Ländern kommen, die offiziell als sicher gelten, habe ich es abgelehnt, die geplante Festveranstaltung in unserem Hause abhalten zu lassen. Daraufhin sollte ich der Sächsischen Zeitung meine Gründe dafür nennen. Leider habe ich unter dem Zeitdruck des Tagesgeschäftes meine Erklärungen nicht ausreichend durchdacht und meine Ansichten nur verkürzt und in unangemessener Weise zum Ausdruck gebracht – das haben mir erst die empörten Reaktionen vor Augen geführt.

Ich bitte die Öffentlichkeit wegen meiner nicht angebrachten Formulierungen um Entschuldigung: Sie sind zu drastisch geraten, haben viele Leute vor den Kopf gestoßen, waren aber vor allem nicht ausgewogen, und das Vokabular nicht mehr zeitgemäß. Bitte glauben Sie mir, dass ich kein Ausländerfeind bin, ich habe Respekt vor jedem einzelnen Menschen und würde auch niemandem, der in wirkliche Not geraten ist, meine Hilfe verweigern!

Ich habe Kunden und Freunde auf der ganzen Welt, habe selber eine chinesische Frau und arbeite eng mit Kollegen aus vielen Nationen und unterschiedlicher ethnischer Herkunft zusammen. In unserer Firma weiß jeder, dass ich hier nicht den geringsten Unterschied mache. Alle genießen die gleichen Rechte und sozialen Errungenschaften, ich sitze mit ihnen zu Mittag am selben Tisch. Wer immer die Niederlassungen unserer Firma besucht, auch im fernen China, staunt über die guten Arbeitsbedingungen, für die ich gesorgt habe, und die menschliche Atmosphäre. Darüber hinaus unterstütze ich seit vielen Jahren auch zahlreiche Musikveranstaltungen, die auf eine internationale Verständigung abzielen, beispielsweise viele große Aufführungen des Europäischen Konzertchors mit baltischen, polnischen und tschechischen Chören und Orchestern, oder Opernvorstellungen in China.

Andererseits macht mir die demographische Entwicklung in Deutschland Sorgen, und damit stehe ich nicht allein. In großer Zahl strömen aus vielen Ländern Menschen zu uns, um sich hier anzusiedeln. Ich fürchte, dass sich daraus für unsere Gesellschaft einmal große Konflikte ergeben werden, die unsere Nachkommen vielleicht nicht bewältigen können. Mit der Absage an die Veranstalter des Benefizkonzertes und dem verunglückten Interview in der Sächsischen Zeitung wollte ich versuchen, die Öffentlichkeit auf diese Problematik hinzuweisen.

Auch mir geht das Schicksal der Bootsflüchtlinge sehr nahe, aber ich sehe Möglichkeiten der Prävention. Man muss der offiziellen EU-Politik folgen und die Lebensverhältnisse in den betroffenen Ländern stärken. Das Geld für ihre Unterkunft und den Lebensunterhalt in Deutschland könnte man in ihrer Heimat besser verwenden, indem man ihnen beim Aufbau einer Existenz hilft und beispielsweise die Gründung einer Farm oder eines Handwerksbetriebes finanziert. Bei uns stehen diese initiativen Leute entwurzelt und ohne Arbeit da, in ihrer Heimat hinterlassen sie ein Vakuum, und die wirtschaftliche Lage verschlechtert sich weiter. Auch eine noch bessere Integration der Menschen aus der Türkei in unserer Gesellschaft ist eine wichtige Aufgabe für die Zukunft. Das diskutiere ich mit meinen türkischen Kollegen in der Firma schon seit langem, sie sind deshalb am wenigsten erstaunt über meine Äußerungen, weil sie wissen, dass ich häufig sarkastische Formulierungen verwende, die nicht so böse gemeint sind wie sie in fremden Ohren vielleicht klingen.

Winfried Stöcker


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