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Lübeck feiert zwei Kammeropern

Autor: Horst Schinzel am 13.04.2015

Fotos Oliver Fantitsch

(Von Horst Schinzel) - Diese Premiere im Lübecker Theater war in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich: Zum einen statt am traditionellen Freitag an einem Sonnabend (11. April), was mit Ursache für die vielen leer gebliebenen Plätze gewesen sein mag. Zum anderen hatte die an der Trave wohl bekannte Regisseurin Pascal-Sabine Chevroton zwei dem Opernpublikum recht unbekannte Kammeropern mit einander verbunden: „Il prigioniero“ – Der Gefangene – des italienischen Zwölf-Ton-Komponisten Luigi Dallapiccola (1904 – 1975) und „Suor Angelica“ von Giacomo Puccini (1858 – 1924). Eine Verbindung, die sich durchaus anbietet, denn beide nicht einmal eine Stunde langen Musikwerke handeln vom Drang nach Freiheit.

Fotos Oliver Fantitsch

Dallapiccola hat in seinem Werk seine Erfahrungen mit dem Faschismus verarbeitet.
Es handelt von einem Gefangenen der spanischen Inquisition während des Freiheitskampfes der Niederlande. Dem gaukelt ein brutaler Wärter die kommende Freiheit vor, während diesen in Wirklichkeit das Schafott erwartet. Puccinis herzzerreißendes Werk handelt von einer Nonne, die vor sieben Jahren von ihrer Familie zum Eintritt in das Kloster gezwungen worden ist, weil sie dieser mit der Geburt eines unehelichen Kindes Schande gemacht hat. Jetzt soll sie von ihrer Tante zum Verzicht auf ihr Erbe gezwungen werden. So nebenbei berichtet diese Tante, dass dieses Kind schon vor zwei Jahren gestorben ist. Darüber bricht Angelica zusammen und tötet sich mit giftigen Kräutern selbst.

Die Regisseurin zeigt den Zuschauern eine höchst realistische Handlung mit viel Personal – darunter süßen Kindern des Kinder und Jugendchors Vocalino des Theaters und der Musik- und Kunstschule einstudiert von Gudrun Schröder . Allerdings gerät ihr Angelicas Sterbeszene arg süßlich. Die in Lübeck bereits wohl bekannte Sängerin Carla Filipcic Holm beeindruckt sowohl als Schwester Angelica wie zuvor mit ihrer hinreißenden Klage der Mutter des Gefangenen um ihren Sohn gesanglich wie darstellerisch. Nicht erstaunlich, dass sie am Schluss mit stehenden Ovationen gefeiert wird.

Als Tante lernt das Lübecker Publikum die international gefeierte italienische Altistin Romina Boscolo kennen. Sie weiß ihre Rolle dramatisch darzustellen. Als Gefangener gefällt einmal mehr Gerard Quinn. Der von Joseph Feigl einstudierte Chor und Extrachor haben in den beiden Teilen wichtige Aufgaben. Für die realistische Bühnenausstattung zeichnet Jürgen Kirner verantwortlich, für die zeitlosen Kostüme Tanja Liebermann Andreas Wolf hat das Philharmonische Orchester sicher im Griff. Das Premierenpublikum ist überaus beeindruckt und feiert alle Mitwirkenden lang und anhaltend.

Weitere Aufführungen

17 April,  24.April, 28. Mai, 13. Juni, jeweils 19.30 Uhr, 3. Mai, 16.00 Uhr, 17. Mai, 18 Uhr


Schlagworte:
oper lübeck

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