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Günter Grass zum Gedächtnis

Autor: Horst Schinzel am 13.04.2015

(Von Horst Schinzel) - An diesem Montag ist der Schriftsteller Günter Grass im Alter von 87 Jahren gestorben. Vertreter der Politik und des Geisteslebens haben den bedeutenden Danziger und Schleswig-Holsteiner gewürdigt. Nicht nur als Mann des bedeutenden Wortes, sondern nicht zuletzt auch als „homo politicus“. Der Literaturnobelpreisträger Günter Grass war ein literarisches Phänomen. Und diesem Phänomen ist eine neue Schriftenreihe der Günter- und Ute Grass-Stiftung gewidmet, deren erster Band unlängst im Chr. Links-Verlag erschienen ist.

Foto: Wikimedia - Magiers

Ein inhaltlich wie äußerlich gewichtiges Buch, dessen Inhalt hohe Anforderungen an den Kenner deutscher Gegenwartsliteratur im Allgemeinen und der Schriften Günter Grass’ im Besonderen stellt. Denn Grass war ein Schriftsteller, dessen Werk schon lange Gegenstand der literarischen Forschung in aller Welt ist. Bewusst titelt sich die neue Buchreihe „Freipass“. Sie will „dem Überschreiten von Grenzen dienen: Zwischen den Künsten, den Medien, den Kulturen, den Grenzen zwischen Autor und Öffentlichkeit.

Eine solche Grenzüberschreitung ist im ersten Teil dieser Publikation die Auseinandersetzung mit der DDR-Schriftstellerin Irmtraud Morgner (1933 – 1990).Zwar sind ihre Bücher auch im Westen Deutschlands veröffentlicht worden, aber hier dürfte ihr Name auch bei Literaturbeflissenen weitgehend unbekannt geblieben sein. Ihr dickleibiges Hauptwerk ist ein recht merkwürdiger Roman mit vielen Einschiebseln. Die Autorin erweckt eine mittelalterliche spanische Minnesängerin wieder zum Leben. Die zieht in die DDR als das vermeintliche Paradies, wo sie sich einer S-Bahn-Fahrerin als Mittel ihrer Botschaft bedient. Den Versuch, als Hausfrau zu leben, bezahlt die Heldin mit ihrem Leben. Sie stürzt beim Fensterputzen ab. Irmtraud Morgner hatte es mit der DDR-Zensur- die es offiziell gar nicht gab – schwer. Zu ihren Freundinnen zählte Christa Wolf, die die Trauerrede gehalten hat. Kurzzeitig hat sich Morgner auch als Objektkünstlerin betätigt. Und auch darüber lesen wir in diesem Buch.

Einen umfangreichen Teil nehmen Berichte zur Grass-Rezeption im In- und Ausland ein. Günter Grass war d e r meistübersetzte deutschsprachige Schriftsteller unserer Zeit. Hier erfahren wir, welche Probleme, aber auch welche Möglichkeiten daraus ergeben. Schon seit langer Zeit ist das Werk des Nobelpreisträgers Gegenstand germanistischer Forschung im In- und Ausland. Die Berichte darüber sind überaus lesenswert. Gleiches gilt für unveröffentlichte Manuskripte, die dem Buch voran gestellt worden sind. Außerdem stellen sich die Günter und Ute Grass-Stiftung, das Günter-Grass-Haus und das Medienarchiv Günter Grass Stiftung Bremen vor Die Reihe will so zum Forum für die internationale Günter-Grass-Forschung werden. Ein letzter Abschnitt steht unter dem Stichwort „Zunge zeigen“. Hier werden Beiträge zum „NSA-Skandal“ veröffentlichlicht.

Freipass, Schriften der Günter und Ute Grass-Stifung, Band 1, Berlin 2015 , Chr Links Verlag


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