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Zwei neue Ausstellungen in Lübeck

Autor: Horst Schinzel am 15.05.2015

Moschee

(Von Horst Schinzel) - In Lübeck leben etwa 13000 Muslime. Wie sieht ihr Alltag aus? Wie wird der Islam in dieser Stadt gelebt und praktiziert? Antworten gibt eine Ausstellung, die ab 16. Mai in der Kunsthalle St. Annen im Lübecker Museumsquartier zu sehen ist.

Foto: Seman Parlak

Die Ausstellung Salaam Lübeck. Muslimisches Leben in der Hansestadt
beschäftigt sich mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten von sechzehn Muslimen aus sechzehn Ländern. Ergänzend präsentiert die Völkerkundesammlung etwa hundert Exponate aus muslimisch geprägten Ländern Die Ausstellung wurde am Freitag-Vormittag der Öffentlichkeit vorgestellt.

„Die Ausstellung macht beispielhaft deutlich, was die so arg vernachlässigte Lübecker Völkerkundesammlung zu Fragen der Gegenwart beitragen kann: Wir zeigen herausragende Exponate und erzählen dazu die passenden Geschichte. Auf diese Weise erhält man einen Blick auf die Internationalität unserer Stadt, wie er nur im Museum möglich ist, “ erklärte Prof. Dr. Hans Wißkirchen, Leitender Direktor der Lübecker Museen. Ein Arbeiter aus Marokko, ein Ladeninhaber und eine Rentnerin aus der Türkei, zwei Schüler aus dem Süden Thailands – die Ausstellung beschäftigt sich intensiv mit den Lebensgeschichten von insgesamt sechzehn Muslimen. Einige von ihnen wohnen seit kurzer Zeit- andere bereits in dritter Generation in Lübeck. Einige sind sehr religiös, andere gläubig oder nur kulturell mit den muslimischen Traditionen verbunden. "Nahezu 100 Muslime aus Lübeck haben an dieser Ausstellung mitgewirkt. Ihnen gilt mein großer Dank!", betont Dr. Brigitte Templin, Kuratorin und Leiterin der Völkerkundesammlung der Hansestadt Lübeck.

Die Schau gibt Einblicke in den Alltag und zeigt, wie der Islam in dieser Stadt gelebt und praktiziert wird. Zudem präsentiert die Völkerkundesammlung aus ihrem Bestand zum Teil noch nie bzw. seit Jahrzehnten nicht mehr gezeigte Werke aus muslimisch geprägten Ländern, wie z. B. das so genannte Kairoer Zimmer aus dem 17./18. Jahrhundert. Zu diesen Objekten treten Leihgaben aus dem persönlichen Besitz Lübecker Muslime in Beziehung, die sowohl von der eigenen Zuwanderungsgeschichte als auch von ihrer Religion erzählen.

Eine Presseschau der Lübecker Nachrichten (Schlagzeilen) aus den vergangenen 60 Jahren gibt die Entwicklung sowie unterschiedliche Betrachtungsweisen dieser Zuwanderungsgeschichte wieder. Beeindruckend sind die Porträtaufnahmen von Arne Wesenberg. Der Fotograf hat die Muslime, deren Geschichten in der Ausstellung erzählt werden, an ihren Lieblingsorten fotografiert oder an Stellen, die in ihrer Lebensgeschichte eine Rolle spielen. Fotos von Selman Parlak zeigen Spuren muslimischen Lebens in Lübeck: Sie führen den Besucher in verschiedene Moscheen, zeigen den muslimischen Gemüsehändler an der Ecke und machen auch ganz private Einblicke möglich.

In einer Abteilung der Ausstellung werden neun Orte muslimischen Glaubens in Lübeck vorgestellt. Der Koran, die heilige Schrift aller Muslime, wird als verbindende Grundlage der unterschiedlichen Richtungen gezeigt, die in Lübeck die Vielfalt des Islam wie in einem Brennglas spiegeln. Ein Highlight der Ausstellung ist ein Prunkkoran aus dem Jahre 1546. Zahlreiche Gebetsteppiche aus unterschiedlichen Regionen zeugen zudem von Schönheit und Glauben.

Was Islam überhaupt bedeutet, wird nicht nur in wiedergegebenen Zitaten muslimischer Bürger deutlich, sondern darüber hinaus in einer nachempfundenen Koranschule dargestellt. Diese ist mit Elementen aus Lübecker Koranschulen ausgestattet. Die Kalligraphie entwickelte sich wegen ihrer engen Verbindung mit dem Koran zu einer der ausdrucksstärksten islamischen Künste. Auch ihr wird in der Ausstellung Raum gegeben. Die 19jährige Lübeckerin Melda gestaltet eine Wand in der Kunsthalle, zudem werden neben traditionellen Arbeiten zeitgenössische Werke von Heidi Niehaus (Bad Schwartau) und Yasser Sameh (Hebron) gezeigt.

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Die Ausstellung Salaam Lübeck möchte dazu einladen, einen Blick auf das muslimische Leben in Lübeck mit seinen reichhaltigen Facetten zu werfen und sich ein eigenes differenziertes Bild vom Lebensalltag einer Religion zu machen, die vielfach nur mit negativen Schlagzeilen in Verbindung gebracht wird.

Am Freitagmorgen wurde außerdem die Sonderausstellung
Die Kunst des Selbstporträts X. Sammlung Leonie von Rüxleben

vorgestellt. Im Untergeschoss der Kunsthalle werden ab 16. Mai 60 Werke von 34 Künstlern präsentiert. "Es ist immer wieder verblüffend und beeindruckend, wie vielfältig und abwechslungsreich sowohl die technischen als auch die künstlerischen Lösungen sind, die Künstler fanden, um ihr Selbst darzustellen. Diese Vielfalt spiegelt zugleich auch die Unterschiedlichkeiten der Individuen", erklärte Dr. Thorsten Rodiek, Direktor der Museen für Kunst und Kulturgeschichte.

Bereits zum zehnten Mal können interessierte Besucher Werke aus der Selbstporträtsammlung Leonie von Rüxleben sehen. Wie schon bei den anderen Präsentationen in den Jahren zuvor, wird die alphabetische Reihenfolge fortgesetzt. Unter den Künstlern finden sich Namen wie Leopold Graf von Kalckreuth, Hermann Kätelhön, Florian Karsch, Max Kaus, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Kleinschmidt, Walther Klemm, Robert Klemmer, Carl-Heinz Kliemann und Diether Kressel.

Am Sonntag, den 7. Juni um 11.30 Uhr dürfen sich Museumsbesucher auf eine interessante Veranstaltung freuen: Museumsdirektor Dr. Thorsten Rodiek wird mit Julia Pechstein ein Gespräch über die Hamburger Selbstportätsammlerin Leonie von Rüxleben führen. Julia Pechstein, Enkelin des expressionistischen Malers Hermann Max Pechsteins, war mit der Sammlerin, die ihrerseits mit dem Maler Pechstein enge Kontakte gepflegt hat, sehr gut befreundet. Das Gespräch in der Kunsthalle verspricht interessante Einblicke in das Leben der Sammlerin und das des Malers.

Derzeit plant Julia Pechstein zusammen mit zwei Kuratoren, die Lübecker Sammlung anhand der reichen Aktenbestände weiter aufarbeiten zu lassen, um anschließend Teile davon an unterschiedlichen Ausstellungsorten innerhalb Deutschlands einem breiten Publikum zu präsentieren.

Es gibt ein umfangreiches Begleitprogramm.


Schlagworte:
ausstellungen lübeck

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